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Neudeutsche Befestigung der Stadt Köln
Fort IV - Bocklemünd

Das Fort IV in Bocklemünd am Freimersdorfer Weg gelegen gehört zu den großen Forts in Köln.
Gebaut wurde es im Zeitraum März 1874-1876.

Die großen Forts wurden an strategisch wichtigen Eisenbahnstrecken gebaut.

Fort V an der Aachener Bahn und Fort VII am Eifeltor.
Das Fort IV war eine Ausnahme, denn es gab zu der Zeit in Bocklemünd noch keine strategische Bahnlinie (evtl. war die Strecke Venlo schon vorprojektiert).

Das Fort IV wurde wie alle anderen Kölner Forts als Artilleriefort mit Infanteristischer Unterstützung konzipiert und gebaut.

Die Nachbarforts lagen im Abstand von 2550m (Fort III) / 3150m (Fort V) entfernt.

Mit Einführung der Brisanzmunition wurde auch dieses Fort zum Teil verstärkt, modernisiert und erhielt auch Neubauten.
Zu nennen wäre ein neuplaziertes und verstärktes Kehlblockhaus, Wachtürme mit Panzerbeobachtungsglocke auf den Schulterpunkten des Frontwalls, Blockhaus auf der Kehlspitze, Installierung von verstärkten Reverskaponnieren und einer Spitzengrabenwehr. Anschußbatterien rechts und links in Verlängerung des Kehlgrabens. Auch bei diesem Fort gab es bei der Erstellung der Anschlußbatterien eine Besonderheit. Die rechte Anschlußbatterie wurde in Richtung Front vorgelagert, obwohl der A/M-Raum in der Verlängerung der Kehle verblieb.
Es ist nicht eindeutig erwiesen ob die Festung mit 3 Anschlußbatterien betrieben wurde oder ob die rechte Kehlanschlußbatterie ihrer Funktion beraubt wurde.

Auch diese strategisch sehr wichtige Festung wurde im Rahmen der Modernisierung in ein Infanterieverteidigungsbauwerk umgebaut. Innerhalb der Festung verblieben nur noch kleinkalibrige Geschütze zum Schutz der trockenen Gräben.
Die schwere Artillerie wurden in den Anschlußbatterien und im Zwischenfeld stationiert.

Von Frühjahr 1909 bis 28.Juli 1914 waren Soldaten des Luftschifferbtl. 3 in Fort IV stationiert. Am 28.Juli zogen die Soldaten in die neu erbaute Luftschifferkaserne um. Auf der Entfestungskarte kann man die Luftschiffhalle auch sehen. Die räumliche Nähe zum Luftschiffhafen war auch der Ausschlag für die Stationierung in Fort IV.

Nach dem 1. Weltkrieg wurde Köln durch Britische Truppen besetzt.
Gemäß Versailer Vertrag erfolgte die Schleifung im Jahr 1921/22
Die Forts spielten erst mal militärisch keine Rolle mehr und verwaisten.



Fotogalerie Außenaufnahmen (15 kommentierte Bilder)



Fotogalerie Innenaufnahmen (27 kommentierte Bilder)


Im Rahmen einer sinnvollen Nachnutzung der ehemals militärischen Anlage mit der erhaltenen Kehlkaserne wurde das zurückgelassene Trümmerfeld zu einer Sportanlage hergerichtet.

Die Kasematten dienten als Umkleideräume, Turnhalle und Duschen für das geplante Kinder-Luftbades nach Plänen von Fritz Encke.
Für den Verwalter wurde eine Wohnung eingebaut. Ausführung der Planung erfolgte im Zeitraum 1924/25.
Im Jahr 1930 diente das Objekt als Sportanlage des Postsportvereins (bis heute), Städtische Gartenbau- und Freiluftschule, Gartenbauverwaltungsamt mit zwei Mietern, davon ein Gärtner.

1939 Postsportverein e.V. und die Städtische Gartenbauverwaltung mit einem Mieter.

In den Jahren 1939 - 1945 wurde das Fort zum Teil wieder militärisch genutzt.
Im ehemaligen Erdgeschoß der Kehlkaserne war die Flugabwehrzentrale für den Großraum Köln untergebracht.
Im Obergeschoß befanden sich die Unterkunftsräume für das Mannschafts -und Offizierspersonal der Leitstelle.
Spuren und Um/Einbauten der Umnutzungszeit sind heute noch zu finden.


Detaillierte Informationen zu dem Thema und Kölner-Luftfahrt finden Sie auf der Homepage meines Festungs-und Luftfahrt-Freundes Werner Müller:

http://www.koelner-luftfahrt.de/luftwaffenhelfer_abwehr.htm


http://www.luftfahrtarchiv-koeln.de/luftschifferbtl3.htm


Nach 1945 diente das Fort als Notunterkunft, Sportanlage, Champingnonzuchtanlage,Räumlichkeit für Geflügelzucht, Tischlerei, Werkstätten der Stadt Köln und natürlich als Sportstätte.

Heute wird der linke Kasernenflügel durch einen Verein genutzt. Im rechten Bereich befindet sich eine Schlosserei (Stand:Oktober 2012), Lagerräume der Stadt, Hauptnutzung durch den Postsportverein Köln.


Die Zeichnung zeigt den Grundriss des Fort IV nach einer Entwurfszeichnung aus dem Jahr 1875 .



Die Zeichnung zeigt das Stadium der großangelegten Verstärkungs - und Umbaumaßnahmen im Jahr 1889
(noch Nutzung als Artilleriefort)



Zeichnung aus der Zeit der Armierung.
Geplante und durchgeführte Verlegung von Drahthindernissen sind blau/lila eingezeichnet.
Die Anschlußbatterien der inzwischen Infanteristisch genutzten Festung waren auf dem Original nicht eingezeichnet,
daher nachträglich durch Zahlen kenntlich gemacht.
Das vorhanden sein der Anschlußbatterien ist durch Luftfotos belegt (auch auf dieser WEB-Site vorhanden)





Fotogalerie Kehlblockhaus(7 Bilder)


Fotogalerie Brückenzugang(8 Bilder)


Fotogalerie Spitzengrabenwehr (8 Bilder)


Fotogalerie Blockhaus am Frontgraben (4 Bilder)


Fotogalerie A/M-Raum Anschlußbatterie (4 Bilder)


Fotogalerie Grabungsbilder rechtes Kriegspulvermagazin (24 Bilder)
Auf den Zeichnungen (innerhalb der Bildergalerie) ist das linke KPM abgebildet

Zahlen-Daten-Fakten

Bezeichnung: Fort IV (Bewaffnungsangaben aus dem Jahr 1889)
Bewaffnung: 8 x 8cm Kanonen als Grabenwehren
6 x 9cm Kanonen auf dem Flanken und Frontwall
2 kurze 15cm Geschütze auf Ringlafette auf dem linken Frontwall
2 lange 15cm Geschütze auf Ringlafette auf dem rechten Frontwall
4 Mörsergeschütze mit 15cm-Kaliber in der linken Anschlussbatterie
6 kurze 15cm Geschütze auf Ringlafette in der linken Anschlussbatterie
4 kurze 21cm-Geschütze in der rechten Anschlußbatterie

Besatzung: Als Artilleriefort ca. 900 Mann. Die Besatzungsstärke wurde nach Umwandlung in ein Infanteriefort erheblich reduziert.
(Die Zahlenangaben entsprechen einem mittleren Fort.
Die Besatzungsstärke bei einem Großen Fort muß nach oben korrigiert werden)
Größe: ca. 330 x 210m
Mauerstärken: ca. 1 - 3m
Deckenstärken: Standardmaß: 1m Ziegelmauerwerk - 1m Sandpolster - 1,20m Beton - 0,50m Erde
Aufzug: max. 9,5m
Graben: 9m breit/ca. 6,50m tief
Entfestigt: 07.03.21 - 17.01.1922
Besonderheiten:

Blockhaus auf der Frontgrabenspitze
3. Anschlußbatterie am rechten Schulterpunkt
Panzerbeobachtungstürme an den Schulterpunkten

Mit Genehmigung zur Veröffentlichung: Bilder aus der Fotografischen Sammlung - AGFA-Historama -Museum Ludwig/Köln


Auf dem Luftfoto wurde die Flankierungsbatterie Bocklemünd (rechts) und der I.Stp. Bocklemünd markiert (links)

Auch auf diesem Foto ist die Flankierungsbatterie sehr gut dargestellt.
Die linke Anschlußbatterie ist auf den Fotos klar zu identifizieren

Bilder aus der Entfestigungszeit mit Genehmigung zur Veröffentlichung auf dieser WEB-Site durch das Auswärtige Amt/Politisches Archiv


Kehlkaserne vor der Entfestigung

Kehlkaserne nach der Schleifung

Frontgraben vor der Entfestigung

Werksoberfläche nach der Entfestigung

Fotos aus der Entfestigungszeit - Archives de la Scieté des Nations/Genf

Die Entfestigungsakten mit entsprechender Text -und Fotodokumentation des Entfestigungsamtes lagern heute in Berlin.
Die parallel geführten Entfestigungsakten der Interalliierten Kontrollkomission (IAKK) lagern heute bei der UN in Genf.

Ein paar Fotos aus der Entfestigungszeit sprechen für sich:


Panorama

Detailfoto 1

Detailfoto 2

Detailfoto 3

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